Ein Bierkeller ist ein Biergarten der über einem historischen unterirdischen Sandsteingewölbe betrieben wird — in Franken die übliche Bezeichnung. Ein Biergarten ist der allgemeinere Begriff, vor allem in Bayern südlich des "Bierkeller-Äquators" üblich. In Franken sagt man fast immer Bierkeller, auch wenn man damit den Außenbereich meint.

Kurzfassung

  • Bierkeller: Der historische unterirdische Lagerkeller, in dem Bier gelagert wird/wurde
  • Biergarten: Der Außenbereich über oder neben dem Keller, wo man sitzt und trinkt
  • In der Praxis: "Bierkeller" wird in Franken oft für beides verwendet, Keller plus Außenbereich
  • Ohne Keller darunter: Ein Biergarten ist jede Außengastronomie. Kein Bierkeller.

Was ist ein Bierkeller?

Ein Bierkeller ist zunächst einmal das, was das Wort sagt: ein Keller für Bier. Konkret: ein ins Erdreich oder in einen Felsen getriebener Raum, in dem Bier bei konstanter, kühler Temperatur lagert. In der Fränkischen Schweiz, gebaut in Kalksteinformationen, halten diese Keller das ganze Jahr über Temperaturen zwischen 8 und 12 Grad. Das war vor der Erfindung der Kühltechnik die einzige Möglichkeit, Bier über den Sommer zu lagern.

Aus der Notwendigkeit des Lagerns entstand die Tradition des Ausschanks: Wenn man ohnehin an den Keller muss um Bier zu holen, kann man auch gleich draußen vor dem Keller trinken. So entstanden die Außenbereiche, zunächst als funktionaler Nebeneffekt, dann als eigenständige Tradition.

Was ist ein Biergarten?

Der Biergarten ist der Außenbereich. Ursprünglich: der Garten vor oder über dem Bierkeller. Heute: jede Außengastronomie die Bier ausschenkt kann sich technisch "Biergarten" nennen.

In München meint "Biergarten" fast immer einen großen, gut organisierten Außenbereich unter Kastanienbäumen, oft ohne historischen Keller darunter. Der Englische Garten-Biergarten, der Hirschgarten, das sind Biergärten im großstädtischen Sinne: Gastronomiefläche unter freiem Himmel.

In Franken ist das anders. Wenn ein Franke "zum Keller gehen" sagt, meint er nicht den Kellerraum sondern den Außenbereich der Brauerei, weil dieser Außenbereich historisch mit dem Keller verbunden ist und von den Leuten immer "der Keller" genannt wurde, nicht "der Garten".

Der fränkische Bierkeller als Gesamtkonzept

In Franken bezeichnet "Bierkeller" meist den gesamten Komplex: den historischen Lagerkeller unter der Erde, den Holzbänke-Außenbereich darüber, und den Gasthof manchmal daneben. Was in München "Biergarten" heißt, heißt in der Fränkischen Schweiz "Keller" oder "Bierkeller", auch wenn man hauptsächlich draußen sitzt.

Der entscheidende kulturelle Unterschied: Ein fränkischer Bierkeller ist an eine spezifische Brauerei gebunden. Man trinkt das Bier dieser Brauerei, kein anderes. Das unterscheidet ihn von einem urbanen Biergarten der mehrere Marken anbietet.

Warum der Unterschied praktisch wichtig ist

Fränkischer BierkellerBayerischer Biergarten (urban)
BierNur das Bier der eigenen BrauereiMeist mehrere Marken
EssenOft: eigene Brotzeit mitbringen erlaubtOft: eigene Brotzeit erlaubt (Münchner Tradition)
SaisonApril bis Oktober, wetterabhängigJe nach Betrieb, oft ähnlich
ÖffnungSpontan, ohne feste ZeitenFeste Öffnungszeiten
GrößeKlein bis mittelgroß, oft im DorfOft sehr groß (z.B. 8.000 Plätze)
AtmosphäreLokal, Stammgäste, ungeplantOrganisierter, auch für Touristen

Die Brotzeit-Frage

In vielen fränkischen Bierkellern darf man eigene Brotzeit mitbringen, aber nicht überall, und die Regeln variieren. Die verbreitete Regel lautet: Getränke kauft man beim Betreiber, Essen darf man mitbringen wenn der Betreiber das erlaubt.

Das ist eine Tradition aus einer Zeit in der Bierkeller keine vollständige Gastronomie hatten, man kam mit der eigenen Brotzeit und kaufte nur das Bier. Heute haben viele Keller eine eigene Küche oder zumindest kalte Speisen, aber die Mitbring-Tradition lebt in vielen Betrieben fort.

Regel: Immer vorher fragen wenn man eigene Brotzeit mitbringt. Ein höfliches Nachfragen erzeugt keine schlechte Stimmung, ein ungeladenes Riesenpicknick schon.

Biergärten in Franken: die besten Adressen

Franken hat einige der schönsten Biergärten Deutschlands, die meisten sind zugleich historische Bierkeller:

Klassiker der Bierkeller-Biergärten

  • Forchheimer Kellerwald: Über 20 Keller auf einem Hügel, im Sommer mehrere gleichzeitig offen, einer der größten Bierkeller-Komplexe Deutschlands
  • Greifenklau, Bamberg: Auf dem Stephansberg, Blick über die Altstadt, der atmosphärischste Bamberger Keller
  • Brauerei Rittmayer, Hallerndorf: Auf einem Hügel in der Fränkischen Schweiz, ausgezeichnetes Kellerbier, hervorragender Ausblick
  • Annafest Forchheim: Zu Pfingsten öffnen bis zu 10 Keller gleichzeitig im Kellerwald, das größte Kellerfest Frankens
  • Erlanger Bergkirchweih: Am Burgberg, seit 1755, mehrere Keller-Bereiche, Pfingsten
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